Sprachaufnahme Teil 2 – Die Aufnahme

Nachdem wir im ersten Teil bereits die Voraussetzungen für eine gute Sprachaufnahme geschaffen haben, wollen wir jetzt in die Praxis gehen und schauen, was man alles während der Aufnahme beachten sollte.

Sprachaufnahme Teil 2 Die Aufnahme

Pixabay

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Welche Aufnahmeprogramme man verwenden kann
  • Welche Fehlerquellen es während der Aufnahme gibt und wie sich diese beheben lassen
  • Wie wichtig die Körperhaltung bei einer Sprachaufnahme ist

Aufnahmeprogramme

Es gibt zahllose, auch kostenlose Apps und Tools für Audioaufnahmen am PC. Ein einfaches Programm genügt. Windows 7 bringt den Audiorecorder, Windows 10 den Sprachrekorder bereits mit. Letzterem fehlt allerdings eine Pegelanzeige, was die Aufnahme erschwert. Alternativen sind etwa der „Apowersoft – Free Sound Recorder“, „No23 Recorder“ oder „Audacity“. Leider haben alle diese Tools kleinere oder größere Schwächen. So kann es ganz schön trickreich sein, Audacity dazu zu bringen, eine stotterfreie Aufnahme zu erzeugen. „No23 Recorder“ bringt unerwünschte Add-ware mit und „Free Sound Recorder“ arbeitet nicht auf jedem Rechner. Adobe Audition (€23 pro Monat), Magix Samplitude (€100) und Steinberg WaveLab Elements (€50) lohnen sich für regelmäßige Aufnahmen, sind aber nicht billig.*

No23 Recorder

No23 Recorder

Aufnahme und Fehlerquellen

Oft fällt bei schlechten Aufnahmen auf, dass es poppt, klickt und S-Laute zischen, die Aufnahme rauscht und brummt. Um das Poppen und Zischen zu reduzieren, hilft es, einen Popp-Schutz oder zur Not auch einen einfachen Schaumstoff-Windschutz zu verwenden. Durch den Schaumstoff-Windschutz werden die hohen Töne allerdings auch reduziert, sodass sich die Aufnahme in der Rohfassung dumpfer anhört. Beide kosten nur wenige Euro, sparen aber Unmengen an Zeit in der Nachbearbeitung und sorgen für saubere Aufnahmen.

Brummt die Aufnahme, kann dies am schlechten Mikro liegen. Oft ist die Quelle für ein 60Hz Brummen aber auch eine Störstrahlung, die man nicht so leicht los wird. Man kann aber versuchen, die Kabel anders zu verlegen – nicht direkt an Steckdosen, Monitoren und Netzteilen vorbei. Auch die Funk-Signale vom Handy fängt das Mikro-Kabel oder die Schnittstelle am PC ein. Viele kennen es aus dem PKW-Radio, wenn das Handy lostackert. Handys sollten deshalb nicht nur stumm geschalten, sondern in den Flugmodus versetzt oder ausgeschaltet werden.

Ein anderes Problem ist die schwankende Lautstärke. Oft verändern ungeübte Sprecher durch ihre Bewegung unbewusst den Abstand zum Mikro. Dadurch schwankt die Lautstärke oder der Stereo-Winkel ändert sich und ein Kanal wird lauter, der andere leiser. Hier hilft Übung und eine Pegelanzeige in der Aufnahmesoftware. Sind die Aufnahmen zu leise, kann man dies später korrigieren. Anzumerken ist aber, dass jedes Mikro etwas brummt. Verstärkt man die Aufnahme am PC, wird auch das Brummen und Rauschen lauter.

Vor der Aufnahme

Jetzt gilt es erstmal Mikrofon und Quellen in der Software einzurichten. Handelt es sich beim Mikrofon um die einzige Aufnahmequelle im System, erkennen die meisten Programme dies automatisch. Auch sollten schon vom Betriebssystem korrekte Einstellungen (z.B. 48kHz) voreingestellt sein. Es kann jedoch nicht schaden, dies vorab einmal zu prüfen. Dazu gehen Sie unter Windows 10 in die Soundeinstellungen, scrollen zu „Eingabe“ und prüfen, ob die korrekte Eingabequelle gewählt ist, klicken dann auf „Geräteeigenschaften“ und unten auf „Zusätzliche Geräteeigenschaften“. Dort öffnet sich die aktuelle Konfiguration ihrer Eingabequelle. Im Reiter „Erweitert“ oder „Advanced“ finden sie die aktuelle Aufnahmequalität. Hier sollte „DVD-Qualität“ oder besser gewählt sein. In Adobe Produkten finden sich die Einstellungen einheitlich unter „Bearbeiten“ -> „Voreinstellungen“ -> „Audiogeräte“, hier sollte Ihr Audiogerät ausgewählt und die aktuelle Samplingrate auf „48000 Hz“ stehen. Über die Schaltfläche „Einstellungen“ gelangen Sie auch von hier direkt zu den Soundeinstellungen Ihres Betriebssystems.

Windows 10: Soundeinstellungen

Windows 10: Soundeinstellungen

Windows 10: Geräteeigenschaften

Windows 10: Geräteeigenschaften

Windows 10: Zusätzliche Geräteeigenschaften - Erweitert

Windows 10: Zusätzliche Geräteeigenschaften – Erweitert

Körperhaltung bei der Aufnahme

Professionelle Sprecher nehmen immer stehend auf, was im Heimstudio nicht immer umsetzbar ist. Zumindest eine gerade Haltung des Oberkörpers sollte allerdings gewährleistet sein, denn mit Rundrücken über das Mikro gebeugt wird das Atmen und damit auch das Sprechen erschwert. Halten Sie den Kopf gerade und bewegen Sie sich bei der Aufnahme so wenig wie möglich, um Störgeräusche zu vermeiden und eine konstante Entfernung vom Mikrofon zu gewährleisten.

Die Aufnahme

Sprechen Sie Ihre Stimme zunächst einige Minuten frei, sodass ihre Stimmbänder frei schwingen können und sich Ihre Stimme normal anhört.

Falls Sie Ihre Stimme trainieren möchten, finden sie in unserem Artikel „3 Übungen für eine starke Stimme“ hilfreiche Anleitungen.

Die Aufnahme in Audacity und Premiere Audition sowie in den meisten anderen Werkzeugen starten Sie durch einen Klick auf den „Roten Punkt“, den Sie vielleicht vom Kassettendeck kennen. Durch ein erneutes Klicken stoppt die Aufnahme.

Windows Sprachrekorder: Aufnahme starten

Windows Sprachrekorder: Aufnahme starten

 

Audacity: Aufnahme starten

Audacity: Aufnahme starten

 

Adobe Audition: Aufnahme starten

Adobe Audition: Aufnahme starten

Sprechen Sie jeweils kurze Abschnitte des Textes ein. Ganze Kapitel oder auch nur Absätze fehlerfrei und fließend vorzutragen, ist nicht so einfach, wie es aussieht. Das frustriert schnell, was sich in der Tonlage und gesteigertem Tempo beim Hörer bemerkbar macht. Sprechen Sie die Abschnitte mehrmals ein, Anfänger sollten 3 bis 5 Aufzeichnungen (Takes) erstellen, bei Fortgeschrittenen genügen 2-3x. Klingen Sie nicht gelangweilt oder roboterhaft. Wenn die Konzentration nachlässt, ist es Zeit für eine Pause.

Machen Sie regelmäßig kurze Pausen, denn auch wenn man es nicht merkt, werden die Stimmbänder beansprucht. Ihre Stimme hört sich rau und belegt an. Alle 15 Minuten sollte mindestens eine kurze Pause folgen. Trinken Sie Wasser und lutschen Sie ein saures Bonbon, damit der Speichelfluss angeregt wird.

Teleprompter

Man sieht immer wieder, wie Sprecher in ihren Bildschirm kriechen oder sich immer weiter über ihre Mitschnitte beugen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Text gut und entspannt lesbar ist. Unterstützung gibt es in Form zahlloser kostenloser Telepromper Apps für Windows und Apple sowie für Smartphone und Tablet, z.B. den Cueprompter (kostenlos, aber eingeschränkt unter cueprompter.com) oder „Teleprompter Pro“ im Microsoft App-Store für €8,99. *

Die App scrollt den Text in einem von Ihnen gewählten Tempo langsam durch. So müssen Sie nicht im Papier herumkruschteln oder scrollen. Denken Sie daran, dass Sie keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen müssen — bleiben Sie entspannt.

Cueprompter (cueprompter.com)

Cueprompter (cueprompter.com)

Der richtige Pegel

Achten Sie auf den Mikrofon-Pegel, dieser sollte sich zwischen -20 und -8 dB (Dezibel) bewegen, wenn dies aus dramaturgischen Gründen nicht anders vorgesehen ist. Übersteuerung, also eine zu laute Aufnahme, lässt sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren!

Viele Programme zeigen die Aussteuerung farblich an und warnen durch entsprechende Einfärbung.

Mikrofon-Pegel in Adobe Audition

Mikrofon-Pegel in Adobe Audition

 

Mikrofon-Pegel in Adobe Audition

Mikrofon-Pegel in Adobe Audition

 

*Wir weisen darauf hin, dass der Nutzer der hier besprochenen Tools für die Einhaltung des kirchlichen Datenschutzgesetzes (DSG-EKD) und eventueller Verarbeitung von personenbezogenen Daten in Drittländern (z.B. USA), selbst verantwortlich ist.


Sprachaufnahme Tutorial Teil eins – Vor der Aufnahme

Einstieg in die Sprachaufnahme

Sprachaufnahme Teil 3

Sprachaufnahme Teil 3 – Die Speicherung und Nachbearbeitung von Aufnahmen


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