Snapchat – Was soll der Hype?

Die App Snapchat ist in aller Munde. Wie es funktioniert und was hinter dem Hype steckt, erklärt Jens Schmitt.

Snapchat-Code: Was ist Snapchat? Wie nutzt man Snapchat. Jens Schmitt klärt auf

Was ist Snapchat? Wer nutzt es und warum? Wir klären auf [Foto: Screenshot Snapchat)

100 Millionen aktive Nutzer, 10 Milliarden Video-Clips täglich. Damit hat Snapchat die Nase deutlich vor Facebook. Die große Frage: Was macht Snapchat so beliebt?

Wie bei den meisten Hypes, habe ich mir Snapchat zuerst in Ruhe aus einiger Distanz angesehen, bevor ich selbst aktiv daran teilgenommen habe. Als ich noch bei studiVz aktiv war, sagte ein Freund damals über Facebook: „Jens, das ist das gleiche wie studiVz, nur besser. Melde dich da mal an.“

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Habe ich gemacht und ich habe es nicht verstanden. Hauptsächlich lag das an der Timeline. Ich habe mich ernsthaft gefragt, was das soll.

Das war 2009. Heute ist Facebook aus dem privaten wie auch beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Und deswegen springt meiner Meinung nach die Jugend ab. Kein Wunder, wenn selbst die Großeltern auf Facebook unterwegs sind. Sobald die Medien gehäuft über einen „neuen“ Trend berichten, auch die Non-Digital-Natives sich blicken lassen, verliert die ursprüngliche Zielgruppe das Interesse. Doch wohin ziehen sie weiter? Momentan verstärkt in Richtung Snapchat.

Was ist Snapchat überhaupt?

Snapchat ist eine kostenlose Instant Messaging-Anwendung für mobile Endgeräte, um Bild-  und Videonachrichten zu versenden. Aufnahmen, egal ob Foto oder Video, können dann mit Filtern, Effekten, Emojis und Texten versehen werden. Das Wort „Snapchat“ ist eine Wortschöpfung aus „Snapshot“ (dt. Schnappschuss) und „Chat“ (dt. Plaudern, Reden).

Das Besondere an der App: Die versendeten Bild- und Videodateien sind nur für eine begrenzte Zeit (mind. 1 Sekunde, max. 10 Sekunden) für den Empfänger sichtbar. Laut dem Anbieter löschen sich die Dateien dann von selbst vom Endgerät. Inzwischen können Snaps allerdings wiederholt, also ein zweites Mal, angesehen werden. Zusätzlich ist es möglich, eine Snapchat-Geschichte hinzufügen. Diese Geschichten sind 24 Stunden lang sichtbar und können je nach Einstellung nur von Freunden oder der ganzen Snapchat-Community betrachtet werden.
Quelle: klicksafe.de

Snapchat ist authentisch – und die Geschichten nach 24 Stunden nicht mehr sichtbar

Snapchat: Die Geschichten können mit Filtern, Text und Emoticons ergänzt werden

Bei Snapchat müssen Bilder und Videos nicht perfekt sein. Eine erfrischende Abwechslung zu Facebook, Instagram und Co.

Was ich an der App so schätze, ist der fehlende Drang, es perfekt machen zu wollen.

Braucht man nicht, denn nach 24 Stunden ist der Beitrag nicht mehr zu sehen. Das nimmt viel Druck aus der Sache. Bei Instagram zum Beispiel ist das anders. Die User versuchen sich stets von der besten Seite zu präsentieren. Ausnahmen sind gewollt und eine Kunst für sich. Sitzt die Frisur? Stört im Hintergrund etwas die Gesamtkomposition des Bildes? Pickel auf der Nase? Kopf eher nach links oder nach rechts drehen, welche war noch gleich die Schokoladenseite? Ist mir bei Snapchat gleichgültig. Ich denke mir: die App zeigt den Usern einen Ausschnitt meines Tages. Was, das bestimme ich.

Ich habe das Gefühl, dass ich bei Snapchat authentisch sein darf, wenn nicht sogar sein muss. Niemand sieht morgens vor dem Spiegel super aus. Die Angst, mich von meiner besten Seite zeigen zu müssen, habe ich nicht. Das macht in meinen Augen den Charme aus.

Aber wieso das alles?

Bei befreundeten Kontakten sehe ich den Vorteil schnell: Man bekommt etwas aus meinem und deren Leben mit. Auch und gerade dann, wenn man beispielsweise hunderte Kilometer entfernt voneinander wohnt, ist die App Gold wert. „Sie vermittelt eine Form von Nähe und Unmittelbarkeit, wie kaum ein anderes Medium oder Social Network. Da es auf Snapchat nur bedingt möglich ist, Videos nachzubearbeiten, wirken Snaps in ihrer Hemdsärmeligkeit oft authentischer als Fernsehen oder sogar YouTube “, sagt Journalist Richard Gutjahr.

Berichterstattung der Zukunft mit Snapchat?

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären: Immer mehr Medienvertreter steigen auf den Trend auf. Daniel Bröckerhoff, der seit 2015 im Wechsel mit Eva-Maria Lemke das ZDF-Nachrichtenmagazin heute+ präsentiert, nimmt Interessierte über Snapchat mit an den Schreibtisch. Als Follower von Bröckerhoff bekommt man oft einen Blick hinter die Kulissen zu sehen. Man erhält aktuelle Berichterstattung live aus dem Studio abseits der Fernsehkameras und wertvolle Einblicke in die Welt des Journalismus.

Auch die Bildzeitung sowie der SWR haben einen eigenen Snapchat Account, um noch zwei weitere Beispiele zu nennen. Auch hier gehen Reporter mit dem Smartphone auf Du und Du mit den Usern. Mal sind sie unterwegs auf einem Festival und berichten live vor Ort,  oft wird die Sache interaktiv. Heißt: Die User werden in der Regel in die Snap-Story mit eingebunden, was bei denen gut ankommt. Einmal wurde z.B. gefragt: „Was soll unser Praktikant heute machen?“ Am Mittag stand dann fest: Der Bildpraktikant soll alle ausländischen Botschaften in Berlin abklappern – das Volk hat entschieden. Das wäre in etwa so, als ob die Tagesschau bei den Zuschauern fragen würde, was sie heute sehen möchten.

Und warum sollte Snapchat mich interessieren?

Snapchat ist eine App, die es ermöglicht, eine äußerst junge, aber stark wachsende Zielgruppe, anzusprechen. Dabei darf die App nicht als Alternative zu den herkömmlichen Kanälen gesehen werden.

Ignorieren darf man Snapchat heute aber definitiv nicht mehr, wenn es um die Frage geht: „Wie erreiche ich die Jugend heutzutage?“ Ein Vorteil für die Snapchatter: Es gibt keine öffentliche Möglichkeit, die Story öffentlich zu kommentieren oder zu bewerten – das läuft alles über eine direkte 1 zu 1 Kommunikation ab. Heißt es gibt keine öffentlichen Hasskommentare, an denen sich die User gegenseitig hochschaukeln können.  Ein Shitstorm kann also nicht losbrechen, was zur Folge hat, dass die Journalisten wesentlich freier agieren und sich weiter aus dem Fenster lehnen können, als bei Twitter, Facebook oder sonst wo.

Sollten noch mehr Anfang 30er da draußen rumschwirren, die skeptisch sind, gebe ich einen Rat mit auf den Weg: Einfach mal machen, nicht viel nachdenken und Spaß dabei haben.

Wer noch mehr Input zum Thema Snapchat möchte:

Wer auch auf Snapchat unterwegs ist oder sich einfach mal ansehen möchte, wie Snapchat funktioniert, kann gerne den medienkompass-Autoren folgen (dazu in der Snapchat-App folgende Codes abfotografieren, Snapchat scannt diese dann automatisch und fügt den Account hinzu):

Snapchat-Code von Jens Schmitt

Jens snappt hauptsächlich über den alltäglichen Wahnsinn namens Leben und lässt andere gerne daran teilhaben.

Snapchat Code von Nadja Golitschek

Nadja snappt darüber, wie lebensnotwendig Kaffee ist und (mal mehr mal weniger) nützliche Hacks für den Alltag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Berichterstattung mit Facebook mit der Livestreaming-Funktion: So funktioniert’s

Livestreaming auf Facebook

Jens Schmitt
Hallo, ich bin Online-Redakteur bei der Pressestelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Hier schreibe ich über journalistische Themen, aktuelle Trends im Internet und Entwicklungen im social media Bereich.
Jens Schmitt

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