Live-Streaming von Konferenzen, Gruppenarbeiten oder Workshops – Welche Geräte sind sinnvoll?

Der Ruf nach hybriden Konferenzen, bei welchen ein Teil der Teilnehmer:innen vor Ort ist und der andere live online mitarbeiten kann, wird immer lauter. Doch welche Technik benötigt man für ein solches Treffen?

Webkonferenz-meeting-digital-header

Pixabay

Autor: Martin Hülf  – Medientechnischer Berater – Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Hybride Treffen

Das Interesse an Liveübertragungen von Konferenzen oder Gruppenarbeiten steigt nicht erst seit Beginn der Coronapandemie. Viele Unternehmen haben festgestellt, dass Konferenzen über das Internet nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen. So wird der Ruf nach hybriden Konferenzen, bei welchen ein Teil der Teilnehmer:innen vor Ort ist und der andere live online mitarbeiten kann, immer lauter. Um ein solches hybrides Treffen realisieren zu können, gilt es, einige Dinge zu beachten.

In diesem Artikel wollen wir uns mit den verschiedenen Optionen der Technik beschäftigen, die für eine hybride Gruppenarbeit notwendig sind.

Was ist vorab zu beachten?

Bevor die Geräte zum Einsatz kommen, sollten Sie sich überlegen, wo und wie die Technik eingesetzt werden soll. Erst dann gelingt ein sinnvoller Einsatz der Geräte und somit eine erfolgreiche  Veranstaltung.

Was ist geplant? ( Situation der Veranstaltung, Sitzanordnung und Sichtfeld)

  • Soll etwa eine Diskussionsrunde übertragen werden oder sollen alle Teilnehmer:innen – online wie offline – gleichermaßen angesprochen werden?
  • Wie regelmäßig sollen die Treffen abgehalten werden? Lohnt sich eine Festinstallation?
  • Wie nehmen die Teilnehmer:innen einander wahr?

1. Der Raum:

Ist der Präsenzraum groß genug? Gerade in Bezug auf geltende Hygienebedingungen ist dies eine wichtige Frage. Eine maßstabsgetreue Skizze verschafft Klarheit über Raumgrößen und Sitzabstände und vereinfacht die Bestimmung der passenden Kameramodelle und deren Standorte. Ist der Raum klanglich optimal? Klingt es zu hallenartig? Muss eine Zusatzlampe aufgestellt werden? Raumbeleuchtung und Seitenlicht vom Fenster sollten so optimiert werden, dass die Gesichter gut von der Kamera erfasst werden können.

2. Die Sitzordnung:

Herkömmliche Sitzordnungen, die sich in Präsenzveranstaltungen bewährt haben, sind für Webstreamings selten tauglich. Meist ist eine halbrunde Aufteilung der Teilnehmer:innen vor Ort sinnvoller, damit die Kamera alle einfangen kann. Falls es jedoch eine:n Hauptredner:in geben soll, muss die Aufteilung entsprechend angepasst werden.

3. Präsentationstechnik:

Ist zum Betrachten der Teilnehmer:innen und für eine lesbare Darstellung der Chats und der Präsentationen über das Web ein großer Monitor oder eine Projektion, Beamer mit Lautsprecher möglich?

4. Sprechdisziplin:

Sprechdisziplin sollte bei Webstreamings unbedingt ausgeübt werden. Aufgrund der Sprachsteuerung, die immer nur eine:n Teilnehmer:in gut einfangen kann und beim Sprechen Rückkopplungen unterdrücken muss, sollte immer nur eine Person sprechen und unter keinen Umständen durcheinander sprechen. Die Sprechweise sollte eher langsam und deutlich sein. Übertragungskanäle mit  Datenreduktion und gelegentlich schlechte Internetverbindungen machen dies erforderlich.

 

Der gute Ton

Das erste Ziel einer Webkonferenz ist eine gute Sprachverständlichkeit. Zum guten Ton gehört deshalb ein geeignetes Mikrofon!

Webcams haben meist eigene Mikrofone eingebaut, sind aber von unterschiedlicher Qualität.

Headsets mit Kopfhörer und Mikrofon blenden Störgeräusche am besten aus, weil sie dicht am Mund liegen.

Zusatzmikros sind besser: Ein Beispiel mit Analog- und USB-Anschluss VideoMic NTG

Testen Sie die Tonqualität Ihrer Geräte vorab.

 

Welche Geräte gibt es für Streaming und welche passen zu  meinem Setting?

„0 Euro“ Lösung:

Was sowieso schon vorhanden ist, kann als Webcam herangezogen werden. Smartphones, Tablets oder Laptops haben mittlerweile immer auch eine Kamera eingebaut. Falls Sie nicht vorhaben, während der Aufnahme zu stehen, können Sie bildgebende Geräte auf ein Foto-Stativ mit den passenden Gerätehalterungen setzen, um den Bildausschnitt stabil zu halten. Wackeln und Zittern während einer Konferenz ist nicht nur für einen selbst, sondern vor allem für die anderen Teilnehmer:innen unangenehm. Meist sind auch die verbauten Mikrofone gut geeignet, da sie speziell für Sprachaufnahmen konzipiert wurden. Zum besseren Sichtbarmachen der anderen Teilnehmer:innen ist der Anschluss eines großen Bildschirms oder eines Projektors (Beamers) nötig.

Wenn die „0 Euro“ Geräte ungeeignet sind – zum Beispiel, weil der Bildausschnitt nicht passt – bietet sich der Kauf einer Webcam an.

 

Webcams:

Wichtige Kriterien beim Kauf einer Webcam sind Auflösung, Farbtiefe, Optik (Aufnahmewinkel) und wie viele Bilder pro Sekunde die Kamera aufnehmen kann. Soll mehr als eine Person aufgenommen werden, ist es ratsam, eine Webcam mit einem großen Sichtfeld zu nutzen. Durch Weitwinkellinsen wird das Sichtfeld vergrößert. Die Gradzahl gibt Aufschluss über den jeweiligen Raumwinkel, der eingefangen werden kann.

Web Cams mit integriertem Ton – Beispiele:

Swissonic Webcam 1 full HD: mit zwei Anzeige LED’s und Stativanschluss. 80° Sichtfeld

Logitech C270  60° Sichtfeld

Mermaid 8MP   mit 5-50 mm Varioobjektiv oder mit 2,5 – 25 mm Objektiv (sehr weitwinklig)

Verschiedene Action-Cam Modelle können auch als Web Cam eingesetzt werden. Diese haben gute Weitwinkel-Optiken, müssen aber vor Beginn auf Web Cam Betrieb umgestellt werden.

Beispiel: GoXTreme Rebel – 140° Weitwinkel – Integriertes Mikro

 

Steuerbare Kameras (PTZ Cams)

Durch die Fernsteuerung können PTZ Cams geschwenkt und geneigt werden, außerdem ist ein Zoom möglich. Somit können verschiedene Motive (Bildausschnitte) festgelegt werden, die per Knopfdruck angesteuert werden können. In der Mitte einer Gesprächsrunde aufgestellt, kann sie alle Teilnehmer:innen anvisieren. Ein solches Setting ist für den Präsenzbereich am geeignetsten. Falls größere Konferenzen regelmäßig in einem Raum abgehalten werden, kann hier die Technik auch fest installiert werden.

Beispiel: Ein Modell mit USB (UVC) und HDMI Ausgang incl. Fernbedienung und Mikro: Marshall Electronics CV610-U3-V2

Herkömmliche Kameras anschließen

Ein meist besseres Bild liefern normale Foto- oder Video-Kameras (Camcorder), weil sie zoomen können und in der Regel bessere Objektive haben. Fast jede dieser Kameras, die über einen HDMI Anschluss verfügt, kann als Webcam verwendet werden. Dazu ist ein Konverter nötigt, der das HDMI Signal in USB umwandelt. Der Computer „denkt“ so, dass eine Webcam angeschlossen ist. Aus unserem Geräteverleih (Streaming) verwenden wir dazu den Canon X30 Camcorder mit Konverter  Elgato CAM LINK 4K. An diesen Camcorder kann auch ein hochwertiges Mikrofon angeschlossen werden.

Die Kamera kann hier als Standgerät auf einem Stativ im Raum aufgestellt werden. Falls jedoch einzelne Teilnehmer:innen der Präsenzveranstaltung herangezoomt werden sollen, muss hier ein:e Kameramann/Kamerafrau vor Ort sein.

 

Genügt eine Kamera? – die Mehr-Cam-Lösung:

Verwendet man mehrere Kameras, können verschiedene Darstellungsbereiche erfasst werden und durch Umschalten dargestellt werden. Die Videokonferenz-Portale bieten meist eine Umschaltmöglichkeit der angeschlossenen USB-Kameras an. Das dauert allerdings etwas länger (ca. 5 sec.) und es muss vorher überprüft werden, ob die Modelle miteinander kompatibel sind. Komfortabler und mit Verwendung von Kameras mit HDMI Anschluss gelingt es mit Video Mixern fast wie im TV-Studio.

Diese Steuergeräte haben folgende Vorteile:

  • schnelles Umschalten
  • Bilder ineinander überblenden
  • Anschluss von besseren Mikrofonen
  • Anschluss von weiteren Geräten, wie Monitore oder Audioboxen
  • Mitgelieferte Software um einfach auf Videoplattformen, wie z.B. Youtube, zu streamen

Beispiele für Mixgeräte:

Roland VR-1HD      ca. 1400 €

Feelworld_Livepro_L1  ca. 410 €

Blackmagic Design ATEM Mini / Mini Pro             ca. 310 € / 630 €

Solche Mixgeräte kommen meist bei anspruchsvolleren Aufgaben zum Einsatz. Hilfreich ist, es sich von der Technik zu entlasten, indem ein:e Techniker:in zum Bedienen des Gerätes bestellt wird.

 

Schlussbemerkung:

Dies sind nur Beispiele für Geräte und Settings. Jedes Treffen hat seine ganz individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen. Wichtig ist jedoch das Testen der Geräte und Konferenzportale vor jeder Sitzung. Um einzelne Geräte austesten zu können, nutzen Sie gerne den Geräteverleih des Ökumenischen Medienladens. Machen Sie sich bewusst, ob sich eine Anschaffung oder sogar Festinstallation lohnt. Wir wünschen ihnen viel Spaß beim hybriden Treffen.

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