Film-Tipp: Die göttliche Ordnung

Die Auseinandersetzungen um die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1971 erschüttern das konservative Weltbild der beschaulichen Schweiz.

Blog für die Medienarbeit: Film-Tipp "Die göttliche Ordnung" über das Frauenwahlrecht in der Schweiz

Die Aufruhre der 69er-Bewegungen sind scheinbar spurlos an dem Dorf in der Schweiz vorbeigegangen. Aber der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.

Im Kanton Appenzell scheint zu Beginn der 1970er Jahre die Welt noch immer so zu sein wie „es sich gehört“. Nora (gespielt von Marie Leuenberger) lebt als Hausfrau mit ihrem Mann Hans und ihren zwei Söhnen in einem friedlichen und beschaulichen Dorf. Aber der Schein trügt: Treten doch auch hier die Risse und Widersprüchlichkeiten der zutiefst patriarchalen Gesellschaft zu Tage. Mit der erbittert geführten Auseinandersetzung um die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1971 gewinnt auch Nora an Stärke und Selbstvertrauen. Nicht nur Nora, auch die Männer der Schweizer Gesellschaft begreifen so einiges in diesem Film, der 2017 Premiere hatte.

Eine Schweiz wie aus dem Ferienprospekt

Es ist nicht zu übersehen, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Volpe zuvor am Drehbuch von Heidi mitgeschrieben hat. Die Kulisse des Films kommt einem nämlich wie das Dorf aus einem Heidi-Film oder einem Urlaubsprospekt vor. Auch die Rollenverteilung ist klar geregelt. Nora ist ganz selbstverständlich der dienende Teil für die Familie, sie putzt und kocht, holt klaglos neues Bier für den Ehemann. Immerhin hebt der schlechtgelaunte Schwiegervater seine Füße an, wenn Nora vor ihm putzt. Die Aufruhr der 69er- Bewegungen sind scheinbar spurlos am Dorf vorbeigegangen. Die chauvinistische Weltordnung, als gottgegeben empfunden, besteht hier nach wie vor.

Widerspruch regt sich

Doch Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Eigentlich möchte Nora nur wieder arbeiten, aber ihr Mann leistet vehement Widerspruch. Zuerst benutzt er alle Klischees gegen arbeitende Frauen, als das bei Nora nicht zieht, verbietet er ihr einfach eine Arbeit aufzunehmen. Laut dem damals geltenden Schweizer Ehegesetz, hatte der Mann auch alles Recht dazu. Dieses Gesetz hatte in der Schweiz bis 1988 Bestand. Klingt verrückt, aber auch in Deutschland konnten Ehemänner ihren Frauen noch bis 1977 gesetzlich verbieten eine Arbeitsstelle anzunehmen. Heute undenkbar, aber erst 40 Jahre her.

Diese Ungerechtigkeit weckt in Nora den Kampfgeist. Sie beschäftigt sich mit feministischer Literatur, verändert Kleidung und Aussehen und organisiert mit anderen Frauen im Dorf den Besuch eines Workshops zur sexuellen Befreiung der Frau. Von dieser Revolution gegen die verstaubte Sexualmoral ist es nicht mehr weit bis zum Kampf um die Einführung des Frauenstimmrechts.

Die Gegner formieren sich

Dieses „aufständische“ Verhalten bleibt nicht ohne Widerspruch. Nicht nur die Männer, die von den bestehenden Strukturen zu profitieren scheinen, sondern auch Frauen stellen sich gegen die wachsende Gruppe der freiheitlich orientierten Frauen. „Frauen in der Politik, meine Damen, das ist schlichtweg gegen die göttliche Ordnung“, sagt die wohlhabende Sägewerkbesitzerin. Eine Dame mit Macht, die um ihre herausgehobene Stellung bangt und mit allen Mitteln die Politisierung der anderen Frauen stoppen möchte.

Geschichte ist nicht Schwarz-Weiß

Die Regisseurin Petra Volpe zeichnet bei weitem kein Schwarz-Weiß-Bild der damaligen Zeit. Auch Männer sind nicht nur glücklich in der Rolle in die sie hineingeboren wurden. Manchen fehlt einfach nur der Mut sich gegen die vorgegebenen Strukturen aufzulehnen.

Diese Strukturen der unruhigen 70er-Jahre, werden im Film klar aufgezeigt. Die rebellische Nichte von Nora wird ins Gefängnis gesteckt, nur weil sie aufmüpfig auftritt und zu ihrem Freund hält, der lange Haare trägt. Bis in die 1980 Jahre war das Inhaftieren von Frauen, die nicht ins Raster der „anständigen“ Schweiz passten, an der Tagesordnung.

Die entstandenen Spannungen gehen quer durch alle Appenzeller Familien und am 7. Februar 1971 ist es soweit, die Appenzeller Männer werden an die Wahlurnen gebeten, um zu entscheiden, ob Schweizer Frauen künftig politisch mitbestimmen dürfen.

Ein Film mit alten Problemen, die aktueller nicht sein könnten

Während der Abspann läuft, ist man froh diese Zeit hinter sich gelassen zu haben. Doch schnell kommen Zweifel. In den USA ist ein Frauenverachter zum Präsidenten gewählt worden. Im Bundestag sitzen Abgeordnete, die bereits erkämpfte Frauenrechte ganz offen zur Disposition stellen. Genau aus diesen Gründen kommt dieser Film, der mit viel Witz differenziert zur Werke geht, gerade zur rechten Zeit.

Dass er mit über 300.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Schweiz ein großer Erfolg wurde, macht Hoffnung, dass auch in unserem Nachbarland mit starken Rechtspopulisten über ureigenste Freiheitsrechte diskutiert wird.

Der 92-minütige Spielfilm ist im Ökumenischen Medienladen unter der Signatur DVS 1022 auszuleihen und auch online verfügbar.

Die göttliche Ordnung ausleihen

 


Keine Tipps mehr verpassen und bequem per E-Mail zugeschickt bekommen:

⊗ 1 x pro Monat ⊗ jederzeit kündbar ⊗ Keine Datenweitergabe an Dritte

Newsletter-Anmeldung

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Der Newsletter wird über den Versanddienstleister CleverReach versendet, bei dem Ihre Daten nach Ihrer bestätigten Anmeldung gespeichert werden. Hinweise zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister, zur statistischen Auswertung und zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Wenn Sie noch einen Film über wahre Heldinnen sehen möchten:

Film-Tipp: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.