Film-Tipp: Birnenkuchen mit Lavendel

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Die Komödie „Birnenkuchen mit Lavendel“ handelt von der ungewöhnlichen Romanze zwischen einer Bäuerin und einem Autisten

Der Film „Birnenkuchen mit Lavendel“ erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Begegnung in der französischen Provence.

Schon wieder die Franzosen. Lang ist die Liste der bemerkenswerten Filme aus unserem Nachbarland, die auch bei uns zu Erfolgen wurden. Der Pariser Regisseur Éric Besnard begibt sich mit der liebevoll erzählten Komödie „Birnenkuchen und Lavendel“ in die französische Provence. Dort lebt Louise auf einem Birnenhof und kümmert sich seit dem Tod ihres Mannes um den Birnenanbau. Sie hat es dabei nicht leicht, die Bank will den Kredit zurück, die Abnehmer zweifeln an ihrem Können und dann fährt sie auch noch einen Fremden vor ihrem Haus an.

Pierre, so heißt der verletzte Mann, scheint irgendwie anders zu sein. Er ist verdammt ordentlich, frappierend ehrlich, ein Eigenbrötler, der am liebsten Primzahlen zitiert. Der sensible Mann blüht in Louises Gegenwart auf, hilft ihr mehr schlecht als recht beim Verkauf ihrer köstlichen Birnenkuchen auf dem Markt und hat das Gefühl, etwas gefunden zu haben, das er gar nicht zu vermissen glaubte: ein Zuhause. Louise versucht ihn aus ihrem Leben und ihrem gebrochenen Herzen herauszuhalten. Doch Pierre ist hartnäckig und lässt sich nicht so einfach abschütteln. Nur wovor läuft er davon? Louises Leben ist wundersam auf den Kopf gestellt und doch droht ihr dieses kleine Glück wieder zu entgleiten.

Alles andere als leichtfüßig

„Birnenkuchen mit Lavendel“ ist, trotz des typisch französischen Humors, keine leichte Kost. Die Provence ist für die junge Witwe Louise kein malerisches Paradies, sondern die Hölle auf Erden: Schulden, ein mies laufender Obst- und Gemüseanbau, ein Nachbar als Stalker, dazu rebellische Kinder. Dass ihr auch noch Sonderling Pierre ins Auto läuft, fällt da kaum mehr ins Gewicht. Doch mit ihm und seiner eigenartigen Sicht auf die Welt – mal höchst komplex, dann wieder von schönster Klarheit – verändert sich auch die ihre. Und immer enger verzahnen sich in der so humorvoll wie berührenden Geschichte die Schicksale zweier mehr als nur zart angeknackster Seelen. Doch der verletzte Pierre (Benjamin Lavernhe) ist kein Mann wie andere. Ein Sonderling – ganz ohne Zweifel. Doch einer, dessen Welt sich von der ihren komplett unterscheidet. Und eine andere Welt scheint im Moment genau das zu sein, was Louise (Virginie Efira) braucht. Der Grund für Pierres zahllose Eingenarten und höchst zwanghaften Handlungen liegt nicht an seiner oberflächlichen Kopfwunde. Pierre leidet am Asperger-Syndrom. Dabei ist er jedoch viel mehr als ein Bündel von Zwängen und Verhaltensauffälligkeiten. In Pierres mathematischer Begabung, seiner reinen Freude und tiefen Verzweiflung – in all dem liegt eine Tiefe, die Louise immer mehr für sich entdeckt. Aber auch Pierre hat Geheimnisse.

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Thema Autismus sensibel dargestellt

Elegant und humorvoll entwickelt Éric Besnard eine Geschichte, die in schöner Beiläufigkeit erst nach und nach ihre Geheimnisse preisgibt. Und die sollen hier natürlich keineswegs verraten werden. Dass Pierre nicht nur ein ganz besonderer Mensch ist – hypersensibel und liebenswert offen, mit Liebe zur Natur und zu bunten Klebepunkten – erfährt man recht schnell. Nicht nur durch seine Vorliebe für Mathematik und Computer, durch Ehrlichkeit und Zurückhaltung, auch in seinen eher tapsigen Kommunikationsversuchen und mit seinem welpenhaften Charme erinnert er an Sheldon Cooper, den Chef-Nerd aus der Big Bang Theorie.

Überragende Hauptdarsteller

Wirklichen Glanz erhält der Film durch die beiden Hauptdarsteller Virginie Efira und Benjamin Lavernhe. Zwischen den beiden stimmt einfach die Chemie. Pierre ist auf den ersten Blick tapsig und etwas unbeholfen, ungeübt in der Kommunikation mit anderen Menschen, doch Louise scheint ihn zu beflügeln. Benjamin Lavernhe zeigt die Entwicklung eines Mannes, der unfähig ist, andere zu berühren oder sich berühren zu lassen, und stattdessen in der Lage ist, Dinge zu liebkosen und in seiner Sprache Liebe auszudrücken. Louise spürt das, und vielleicht ist es genau das, was sie sucht und braucht. Virginie Efira lässt ihrer Heldin viel Zeit – Louise ist keinesfalls auf Männerjagd, sie neigt auch nicht zur Missionierung und macht keine Anstalten, Pierre zu verführen. Eigentlich ist sie eher zart als zupackend und von einer Sanftheit, die Pierre magisch anzuziehen scheint. Dabei geht es nicht um Sex, sondern um etwas ganz Altmodisches: um Seelenverwandtschaft und gegenseitige Akzeptanz.
Besnard hat sein hübsches Drehbuch über eine Beziehung zwischen zwei ganz besonderen Menschen mit viel Feingefühl und vollkommen kitschfrei inszeniert. Die Komödie sorgt nicht nur für gute Laune, sie verschönert den Tag und das Leben.

Verzicht auf Klischees

Geschickt umschifft der Regisseur alle Klischees und webt eine Geschichte voller Überraschungen, mit wunderbar gezeichneten Charakteren, die dafür sorgen, dass aus der ungewöhnlichen Handlung eine glaubwürdige Story wird. Dabei gelingt ihm das Kunststück, Pierre als einen ganz normalen Menschen zu zeigen, der kein Handicap -, sondern eher liebenswürdige Eigenheiten besitzt. So gibt es keine Witze auf Pierres Kosten, sondern durchgängig eine angenehm herzliche Situationskomik mit sehr viel Feingefühl für Stimmungen. Hier passt alles zusammen: die traumschönen Bilder von Lavendelfeldern und blühenden Obstbäumen, ein intelligenter Plot und eine tolle Besetzung bis in die Nebenrollen.


„Birnenkuchen mit Lavendel“ als DVD ausleihen oder als Medium zum Download herunterladen

Der 97 – minütige Spielfilm ist im Ökumenischen Medienladen unter der Signatur DVS 964 auszuleihen und auch als Download verfügbar. Kunden des Ökumenischen Medienladens können den Film hier als DVD ausleihen und herunterladen:

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Zur Filmausleihe von „Birnenkuchen mit Lavendel“

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Zum Download von Birnenkuchen mit Lavendel (für angemeldete Kunden)

Peter Pförsich

Dr. Peter Pförsich leitet den Ökumenischen Medienladen und berät u.a. in allen speziellen Fragen rund um den Medieneinsatz wie z.B., Urheberrecht, Werberichtlinien usw.

Peter Pförsich

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