Cybergrooming, Sextortion und Co.: Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

Cybermobbing, Cybergrooming, Sexting und Co.: Begriffe, die man im Zusammenhang mit steigender Internetnutzung immer häufiger hört. Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

Cyberkriminalität

©canva

Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es unter anderem um sexuelle Gewalt.

Belästigung im Netz

Die durch das Internet entstandenen Interaktionsmöglichkeiten bringen viele spannende Neuerungen mit sich, bergen aber auch große Gefahren. Gerade in sozialen Medien  sind private Informationen der Nutzer:innen oft öffentlich zugänglich. Die vermeintliche Anonymität im Internet sorgt dafür, dass Phänomene wie Cybermobbing, Cybergrooming oder Sexortion an Zuwachs gewinnen. Insbesondere im Hinblick auf Kinder und Jugendliche, die nicht selten naiv an die Kommunikation im Internet herangehen, bedarf es einer Aufklärung der wichtigsten Begriffe.

Cybermobbing

Cybermobbing leitet sich – wie Mobbing – vom englischen Verb „to mob“ (anpöbeln, bedrängen, über jemanden herfallen) ab. Seltener wird auch der Begriff Cyberbullying (engl.: to bully“: schikanieren, drangsalieren) genutzt.

Cybermobbing meint das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen über einen längeren Zeitraum. Cybermobbing findet im Internet, z.B. auf sozialen Netzwerken, statt. Zwischen dem Täter, der auch „Bully“ genannt wird, und dem Opfer besteht ein Machtungleichgewicht.

Während ein Bully insgesamt häufig anonym auftritt, sodass die genaue Identität verdeckt bleibt, kennen sich Opfer und Täter bei Cyber-Mobbing unter Kindern und Jugendlichen oftmals aus dem persönlichen Umfeld – etwa aus der Schule, dem Dorf oder dem Wohnviertel.

Cyberstalking

Cyberstalking bezeichnet die fortwährende Verfolgung, Überwachung oder das Nachstellen einer Person mit digitalen Hilfsmitteln. Auch die Belästigung Minderjähriger – zum Beispiel in sexueller Hinsicht – kann zu Cyberstalking gehören, wenn eine wiederholte sexuelle Belästigung oder Bedrohung stattfindet.

Unterschied Cybermobbing und Cyberstalking: Das beharrliche Nachstellen zeichnet Cyberstalking aus. Die Taten von Cybermobbing und Cyberstalking können allerdings ähnlich oder sogar gleich sein.

Cybergrooming

Cybergrooming ist das gezielte Ansprechen von Kindern im Internet zur Anbahnung von Missbrauchshandlungen online oder offline. Dabei bauen Täter: innen Vertrauen zu ihren überwiegend minderjährigen Opfern auf, indem sie an die Interessen und Bedürfnisse der Opfer anknüpfen. Häufig thematisieren sie dabei auch typische Probleme der Kindheit und Pubertät. Ziel der Täter: innen ist es, die Opfer zu sexuellen Handlungen vor der Kamera zu überreden und oft sogar einen sexuellen Missbrauch in der Realität vorzubereiten.

Sexting

Sexting ist ein Kofferwort, bestehend aus den Wörtern „Sex“ und „Texting“. Es beschreibt das Versenden und Empfangen selbstproduzierter, freizügiger Aufnahmen, die häufig auch als „Nudes“ bezeichnet werden. Erotisches Material können dabei Aufnahmen in Bikini, Badehose oder in Unterwäsche, Nacktbilder/Bilder bestimmter Körperregionen oder Oben-ohne-Aufnahmen sein. Bei Sexting geht es immer um freiwillig angefertigte Selfies als Bild oder Video.

Sexting kann harmlos sein und ist nicht strafbar, wenn es einvernehmlich und als freie Handlung ausgeführt wird. Sexting wird aber dann zur Gefahr, wenn entsprechende Bilder in falsche Hände geraten – siehe auch Sextortion.

Sekundäres Sexting: Sobald ein Sexting-Bild ohne Einverständnis der abgebildeten Person weiterverbreitet wird, spricht man von sekundärem Sexting. Sekundäres Sexting ist eine Straftat.

Sextortion

„Nudes“ werden leider auch missbräuchlich beziehungsweise als Druckmittel genutzt, um die abgebildete Person zu erpressen. So wird „Sexting“ zu „Sextortion“, wenn man zur Erstellung solcher Aufnahmen überredet oder gedrängt und schließlich erpresst wird. Sextortion ist ein Kofferwort aus „sex“ und „extortion“ (engl.: Erpressung). Das passiert oft im Chat, wenn man die andere Person vermeintlich gut kennt.

Sextortion fällt strafrechtlich unter Erpessung und ist somit eine Straftat.

Victim-Blaming

Als Vicitm-Blaming bezeichnet man die Umkehrung der Rollen von Täter und Opfer, oft in Folge einer Straftat. Hierbei wird dem Opfer aufgrund seines Verhaltens die Schuld am Handeln des Täters zugewiesen. Vor Gericht wird Victim-Blaming von Strafverteidigern eingesetzt, um die Schuldzuweisung in Richtung des Opfers zu verlagern.

Beispiele für Victim-Blaming sind Sätze wie „Selbst Schuld, wenn du solche Bilder verschickst“, „Dein Rock war zu kurz“ oder „Dein Make-up ist zu aufreißend“.

 

supprt

Pixabay

Was kann ich tun?

Um ( insbesondere sexuelle) Belästigung von Fremden im Netz vorzubeugen, gibt es einige Tipps, deren Befolgung einen zwar nicht gänzlich schützt, das Risiko aber minimiert.

Hier eine Auflistung der Tipps der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK):

  • Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen von fremden Personen an.
  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Account- und Privatsphäreeinstellungen.
  • Seien Sie zurückhaltend mit der Veröffentlichung persönlicher Daten wie Anschrift, Geburtsdatum oder Arbeitgeber.
  • Stimmen Sie nicht vorschnell einem Videochat zu.
  • Im Zweifel: kleben Sie die Chatkamera zunächst ab, um lediglich verbal zu kommunizieren und das Geschehen zu beobachten.
  • Stimmen Sie keinen Entblößungen oder intimen Handlungen in Videochats zu, wenn Sie die Person erst seit kurzem kennen.
  • Halten Sie Betriebs- sowie Virenschutzsysteme auf Ihren online-genutzten Endgeräten wie Smartphone, Laptop, Tablet oder Computer immer auf dem aktuellen Stand, um sich vor Schadsoftware, sogenannter Malware, zu schützen. Es gibt Malware, die Ihre Webcam problemlos aktiviert und Sie damit jederzeit filmen kann.

Hilfsangebote von Beratungsstellen:

Bei der Onlineberatung von www.juuuport.de helfen Jugendliche anderen Jugendlichen rund um die Themen Cybermobbing, Abzocke im Netz und Technik.

Schnelle Hilfe und Unterstützung gibt es kostenfrei und anonym über das Kinder- und Jugendtelefon. Die Nummer gegen Kummer berät Kinder und Jugendliche über Telefon, E-Mail und Chatfunktion. Telefon: 11 6 111 (Mo – Sa: 14-20 Uhr)

Innocence in Danger ist eine weltweite Bewegung gegen sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, insbesondere gegen die Verbreitung von Kinderpornografie durch die digitalen Medien. https://www.innocenceindanger.de/sexting/

 


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