Alternativen zu WhatsApp – taugen sie was?

Alternative Nachrichtendienste wie Threema, Telegram oder Wire im Vergleich zu WhatsApp: fünf Erfahrungsberichte.

Fünf Erfahrungsberichte über alternative Messenger wie Wire, Threema, SimsMe oder Telegram. Wie sie im Alltag genutzt werden und wie sie sich im Vergleich zu WhatsApp schlagen finden Sie hier

Threema, Telegram, Wire und u.v.m. – alternative Messenger sind durch die Kritik am Datenschutz von WhatsApp immer wieder gefragt. Fünf Erfahrungsberichte über die WhatsApp-Nachrichtendienst-Alternativen

Vier Medienhaus-Mitarbeiter erzählen von Ihren Erfahrungen mit WhatsApp-Alternativen, wie sie zu den alternativen Nachrichtendiensten gekommen sind, wie sie den Messenger im Alltag nutzen und wie sie sich im Vergleich zu WhatsApp schlagen.

Blau statt grün – Telegram statt WhatsApp

WhatsApp Alternative Erfahrungsbericht: Telegram

Johannes Friz ist EDV-Administrator und kam Dank seines konsumkritischen Sohnes zu Telegram

Der Weg von WhatsApp zu Telegram: Immer erreichbar und ständig online – das gabs früher nicht. Wie einfach wurde es da heute für uns digitale Immigranten mit unseren mehr oder weniger erwachsenen Kindern zu kommunizieren, nachdem wir endlich auch stolze Besitzer eines Smartphones geworden waren: Alle wichtigen und unwichtigen familiären Ereignisse, Launen, Stimmungen und Befindlichkeiten waren seither sozusagen live über WhatsApp miterlebbar in Wort, Bild und Ton, gewürzt mit mehr oder weniger vielsagenden Gesichtern, Bildchen und Symbolen, die manchmal sogar den Text in den Hintergrund drängten. Und während der häusliche Telefonhörer verstaubte („kein Schwein ruft mich an …!“) glühten die Online-WhatsApp-Drähte zwischen den alten Eltern und den in alle Himmelsrichtungen zerstreuten Kindern in Einzel- und Gruppenchats.

Aber wie bei vielen guten Erfindungen kommt – kaum dass man sich daran gewöhnt hat und sich ein Leben ohne den WhatsApp-Family-Chat eigentlich nicht mehr vorstellen kann – schon wieder ein großes ABER. Die – nicht zuletzt dank langjähriger Erziehungsanstrengungen – konsumkritischen Kinder in Gestalt unseres Sohnes gaben uns zu bedenken, dass nach dem Aufkauf von WhatsApp durch Facebook die Nutzung dieses Messenger-Dienstes reichlich uncool sei. Wer in Zukunft mit ihm kommunizieren wolle, solle sich einen alternativen Nachrichtendienst installieren, z. B. Telegram. Und so zog die ganze Familie, ohne sich im Detail um die Verifizierung der jeweiligen Datenschutzbestimmungen und Konzernstrategien der jeweiligen Anbieter allzu viel Mühe zu machen, zum blauen Pfeil von Telegram um.

Datenschutz: Telegram hat keine Datenschutzerklärung auf Deutsch. Neben der Notwendigkeit der Verknüpfung mit der Telefonnummer fordert die App die Angabe eines Vornamens. Die Verbraucherzentrale konnte nicht eindeutig herausfinden, wo die Server des Unternehmens stehen und sich der Firmensitz befindet. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Verbaucherzentrale.

Fazit:  In dieser neuen Kommunikationsumgebung von Telegram vermissen wir nichts vom alten WhatsApp. Bilder, Videos, Sprachnachrichten, vielfältige Gruppen und seit kurzem auch eine Webversion – was will der neuzeitliche Familienmensch mehr? Zugegeben, wir sind noch relativ unter uns, aber nach und nach kommen doch die einen oder anderen Bekannten und Freunde auch zum alternativen Nachrichtendienst Telegram. Den alten WhatsApp-Dienst ganz rauswerfen geht aber noch nicht, dazu sind dort eben doch noch einige wichtige Kontakte, denen noch keiner bei der WhatsApp-Nutzung auf die Finger geklopft hat.


Threema: vertrauenswürdiger Messenger mit Web-Funktion

WhatsApp Alternative Erfahrungsbericht: Threema

Susanne Zeltwanger-Canz ist Medienpädagogin und nutzt Threema, was aber (noch) keine Konkurrenz zu WhatsApp ist

Die App: Der Schweizer Messenger Threema ist trotz der Gebühr von 2,99 EUR etwas häufiger verbreitet (zumindest in meinem Bekanntenkreis), aber nach wie vor leider keine wirkliche Konkurrenz zu WhatsApp. Er wurde von der Threema GmbH, einem unabhängigen Unternehmen, entwickelt und bis heute betreut und weiterentwickelt.

Datenschutz: Der Nachrichtendienst Threema erläutert auf seiner Internetseite sehr ausführlich und verständlich die Sicherheitsstandards, welche ebenfalls die End-to-End-Verschlüsselung garantieren und dass keinerlei Daten weitergegeben werden. Threema unterliegt dem Schweizerischen Bundesgesetzes über den Datenschutz. Für mich absolut vertrauenswürdig.

Nutzung: Threema kann alles, was ein Messenger als Alternative zu WhatsApp benötigt: Bilder, Video, Dateien, Standorte und Audioaufnahmen versenden sowie Gruppenchats einrichten. Hier sind mir keine Funktionsunterschiede zwischen Android und iOS bekannt. Gleich wie bei WhatsApp kann ich bereits im Sperrbildschirm die Nachricht lesen. Sehr schön ist in Gruppenchats die einfache Möglichkeit, eine Umfrage zu erstellen und auszuwerten – ideal für Terminabstimmungen. Die Funktion von Threema ist unabhängig einer Handynummer möglich, was Threema Web (derzeit nur für Androidnutzer) möglich macht und am PC sehr praktisch sein kann.

Threema im beruflichen Kontext: Threema bietet mit Threema Work eine Businesslösung an.

Fazit: Threema ist als alternativer Nachrichtendienst zu WhatsApp absolut zu empfehlen.


iMessage: der Messenger für Apple-Nutzer

WhatsApp Alternative Erfahrungsbericht: iMessage

Julia Hospach ist Projektmanagerin und verbindet mit iMessage, dass sie damit als einem der ersten Nachrichtendienste im WLAN kostenlos Nachrichten verschicken konnte

Die App: Wer ein iPhone besitzt, kann automatisch auch sogenannte  iMessages verschicken. Es handelt sich dabei eigentlich nicht um eine eigene Messenger-App, sondern man nutzt die vorinstallierte Nachrichten-Funktion des iPhones, über die man auch SMS verschickt. Sobald das Gegenüber auch iMessage nutzt, wird automatisch statt einer SMS eine iMessage über das Internet verschickt und alle Messenger-Funktionen stehen zur Verfügung.

Nutzung: Für die Nutzung benötigt man ein iPhone oder ein anderes Apple-Gerät und eine Apple-ID und schon schickt man ganz einfach Nachrichten und Bilder an einzelne Personen oder Gruppen. Die Integration in das System bietet zahlreiche Vorteile in der Bedienung, vor allem beim Versenden von Bildern. Wie man es von Apple gewohnt ist, ist das Design schlicht, funktional und einfach schick. Auf Spielereien wie handgeschriebene oder -gemalte Nachrichten könnte ich verzichten, ist aber auch mal nett. Hauptvorteil des Nachrichtendienstes: Einmal eingerichtet hat man auf all seinen Apple-Geräten vollen Zugriff auf die Nachrichten. Handy vergessen? Nachrichten einfach auf dem iPad erhalten. Man sitzt ohnehin am Rechner? Dann wird iMessage einfach zum Chatprogramm am MacBook.

Nachteile: Der große Haken an iMessage: Die Nutzung ist nur unter Apple-Usern möglich. Freunde die keine Apple-Geräte haben,  kann man also über den Dienst nicht erreichen. Auch wenn jemand trotz iPhone gerade nicht per iMessage erreichbar ist (zum Beispiel weil kein Internet zur Verfügung steht), wird als Alternative eine SMS geschickt. Das kann, wenn man nicht aufpasst, teuer werden, vor allem wenn Bilder dabei sind und das Ganze per MMS rausgeht.

Datenschutz: Laut den Angaben von Apple ist die gesamte Kommunikation mit einer durchgehenden Verschlüsselung geschützt. Mit iOS und WatchOS werden die iMessages auf dem Gerät auf eine Weise verschlüsselt, dass ein Zugriff ohne den eigenen Code nicht möglich ist. Mit dem iCloud Backup werden iMessage und SMS Nachrichten gesichert, dies kann man aber abstellen. Apple kann laut eigenen Angaben Daten von iMessage bei der Übertragung nicht entschlüsseln und durchsucht auch keine Daten (auch nicht auf Anordnung einer Behörde). Allerdings könnten von Behörden laut Medienberichten die Metadaten eingefordert werden, die beispielsweise zeigen, dass man die Telefonnummer einer bestimmten Person kennt und eine Kontaktaufnahme versucht hat – was unter Umständen belastendes Material darstellen könnte.

Fazit: Die Integration in das System bietet viele Vorteile und die Nutzung macht zumindest mir deutlich mehr Spaß als bei anderen Messengern. So freue ich mich immer, wenn ich jemandem „einfach eine iMessage schicken“ kann. Vielleicht kommt diese Freude aber auch noch aus der Zeit vor WhatsApp und Co, in der man nur über iMessage kostenfrei Text und (wow!) sogar Bilder verschicken konnte. Aber diese Ära ist längst vorbei und so führt der eingeschränkte Nutzerkreis dazu, dass man zusätzlich trotzdem noch andere Dienste nutzen muss. Schade!


Wire: Schicke Alternative mit Unterhaltungspotenzial

WhatsApp Alternative Erfahrungsbericht: Wire

Nadja Golitschek ist Online-Redakteurin und war von WhatsApp-Alternativen lange nicht überzeugt – bis sie Wire ausprobierte

Als treue WhatsApp-Nutzer ins Schwärmen geraten: Threema, Telegram und Signal – nichts davon konnte mich überzeugen, auf WhatsApp zu verzichten oder einen alternativen Messenger länger als 2 Minuten zu testen. Erstmalig überzeugt hat mich der Nachrichtendienst Wire. Im Vergleich zu WhatsApp wirkt die App erfrischend minimalistisch und gleichzeitig modern. Die Bedienung ist intuitiv und man findet sich schnell zurecht. All meine Bemühungen und Überredungskünste, Familie und Freunde von WhatsApp zu Wire zu bringen, mündeten darin, dass ich mit einer Freundin Wire exzessiv zu nutzen begann. Ein bescheidener Anfang, aber immerhin!

Nutzung: Wire ist sowohl mobil auf dem Handy, als auch – ganz unabhängig vom Smartphone – als Webversion nutzbar. Das überzeugte mich sehr schnell, denn man muss die Webversion nicht auf den PC „spiegeln“, wie es etwas mit der WhatsApp-Web-Version der Fall ist. Bilder können vor dem Versenden mit einer Skizze versehen werden – ähnliches kennen wir von der App Snapchat – und tippt man ein (im Idealfall englisches) Wort ein, kann man sich das passende GIF dazu anzeigen lassen und mitversenden. Die schon von WhatsApp bekannte Sprachfunktion kann man zusätzlich durch einen Stimmenverzerrer jagen. Ein Heidenspaß! Nachrichten können außerdem mit einer Zeitschaltuhr versehen werden, damit sie nach dem Lesen nach Sekunden, Minuten oder Tagen automatisch verschwinden.

Nachteile: Aber trotz aller schönen Funktionen und Spielereien: Die App hat sowohl mobil als auch als Desktop-Version viele Kinderkrankheiten. Die Verbindung sowie die Pop-up-Benachrichtigung funktionieren mal mehr mal weniger zuverlässig. Will ich auf Nummer sicher gehen, dass eine Nachricht empfangen und schnell gelesen wird, greife ich also doch wieder auf WhatsApp zurück …

Datenschutz: Wire selbst verspricht moderne Kommunikation bei völliger Privatsphäre. Die Messenger-Alternative zu WhatsApp wurde bei der Vorstellung in verschiedenen Medienartikeln als zuverlässig und sicher beschrieben. Anders als Threema lässt sich die Messenger-Alternative nicht ohne Angabe von Telefonnummer sowie des Vor- und Nachnamens nutzen. Da Wire übergreifend auf Smartphone und Rechner genutzt werden kann, werden Nachrichteninhalte verschlüsselt auf Servern gespeichert.

Fazit: Die zusätzlichen Funktionen, die bedienerfreundliche Oberfläche und das schicke Layout sind auf jeden Fall Argumente, Wire als alternativem Messenger zu WhatsApp eine Chance zu geben. Im Endeffekt hängt der persönliche Nutzen jedoch maßgeblich davon ab, wie viele Freunde und Bekannte bei Wire sind oder wie viele man überzeugen kann, dorthin zu wechseln. Denn er schönste Messenger nutzt ja bekanntlich nicht, wenn niemand da ist, mit dem man Bilder, Skizzen, GIFs und Sprachnachrichten austauschen kann.


SimsMe: Alternativer Messenger der Deutschen Post mit verständlichen Datenschutzbestimmungen

WhatsApp Alternative Erfahrungsbericht: SimsMe

Susanne Zeltwanger-Canz: „Verabschiedet euch von der Daten-Krake WhatsApp“

Nicht beirren lassen auf der Suche nach alternativem Messenger: Seit nun mehr als zwei Jahren nutze ich „SimsMe“, den Messenger der Deutschen Post. Damals war er noch relativ neu und leider noch ziemlich fehlerbehaftet, weswegen in verschiedenen Internetforen von der Nutzung abgeraten wird. Zum Glück habe ich mich auf der Suche nach einem sicheren Messenger, der an deutsche Datenschutzrichtlinien gebunden ist nicht beirren lassen. In der Zwischenzeit ist SimsMe der kostenlose Messenger, mit dem meine Familie innerhalb einer Gruppe Kinderbilder unserer Kleinsten austauscht.

Datenschutz: SimsMe kommuniziert übersichtlich und verständlich seine Datenschutzbestimmungen. Durch diese Sicherheitsstandards, verlasse ich mich darauf, dass meine Daten und Nachrichten nicht unterwegs abgefangen oder für irgendwelche Werbezwecke oder sonstiges verwendet werden.

Nutzung: Wir nutzen SimsMe auf verschiedenen Smartphones, sowohl mit Android als auch iOS und ich (mit iPhone5) bin sehr zufrieden: Ich kann Gruppen bilden, Bilder und Filme sowie verschiedene Dateiformate, Audionachrichten und Standorte versenden. Das sind die Funktionen, die ich von einem Messenger erwarte und für meine Kommunikation benötige. Wenn es mich interessiert, kann ich auch im Gruppenchat überprüfen, wer meine Nachricht wann erhalten und gelesen hat. Ein schöner Zusatz ist das Versenden von Nachrichten zu einem bestimmten Zeitpunkt und wer es gerne kurzweilig mag, der kann seine Nachrichten nach ein paar Sekunden direkt wieder verschwinden lassen.

SimsMe im beruflichen Kontext: SimsMe bietet speziell für Firmen eine sichere Messengerlösung.

Fazit: Auch SimsMe ist als WhatsApp-Alternative zu empfehlen. Mein Appell an dieser Stelle: „Verabschiedet Euch von der Daten-Krake WhatsApp“. Je mehr Menschen die Alternativen nutzen, desto attraktiver werden diese und desto mehr wird ein Zeichen für zeitgemäßen und verantwortungsbewussten Datenschutz gesetzt. Für Eure Privatsphäre und die Eurer Mitmenschen und Kinder!


Wer weiterhin WhatsApp nutzen möchte, kein Problem! Hier gibt es Tipps für sichere Datenschutz-Einstellungen

7 Tipps für einen sicheren Umgang mit WhatsApp

Nadja Golitschek
Hallo, ich bin Online-Redakteurin im Evangelischen Medienhaus in Stuttgart. Hier schreibe ich rund um die Themen Internet, digitale Medien und gelungenes Präsentieren.
Nadja Golitschek

4 Kommentare zu Alternativen zu WhatsApp – taugen sie was?

  1. Danke für’s Testen und Erwähnen von Wire :-)
    Wir hoffen demnächst mehr und mehr „Kinderkrankheiten“ zu beseitigen.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Julian

  2. Thomas sagt:

    Schon sonderbar wenn die großen Kirchen sich als Verbraucherschützer generieren, denn im Gegensatz zu Stiftung Warentest werden die Testverfahren und Kriterien nicht offengelegt.
    So sind die Ergebnisse nur wenig zielführend.
    Schuster bleib bei deinen Leisten: Theologie, Soziologie, Pädagogik, Sprachen, Geschichte, allgemein: Anthropologie.
    Solche Beratungen dürften den Auszug, zunehmend geringere Bindung nicht wirklich bremsen, eher noch beschleunigen, denn das Original Stiftung Warentest ist schlicht und einfach besser und professioneller!

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben in diesem Artikel kein Testverfahren mit objektiven Kriterien durchgeführt, sondern von unseren persönlichen Erfahrungen mit den Messengern im Alltag berichtet, da das Kiterium „Datenschutz“ bei vielen nicht hauptausschlageben für die Auswahl eines Messengers ist. Jeder weiß um das Thema, aber der praktische Nutzen bei der Kommunikation muss trotzdem gegeben sein. Die Verbraucherzentrale berichtet ja ausführlich über die einzelnen Messenger und wie es dort um den Datenschutz bestellt ist. Wir haben darauf verlinkt, dort kann alles ausführlich nachgelesen werden: https://www.verbraucherzentrale.de/sichere-whatsapp-alternativen

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